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Die perfekte Vermögensverwaltung - Erbrecht Blog

Die perfekte Vermögensverwaltung

Bei der Terminvereinbarung wollte der Mandant seine Idendität zunächst nicht offenlegen. Es kam dann ein freundlicher, älterer Herr, der sich allgemein über eine Testamentserstellung beraten lassen wollte.

Schnell stellte sich heraus, dass er sehr sachkundig war und sich vergewissern wollte, keine Planungsvariante übersehen zu haben.
Er war ein vorsichtiger Mensch. Er wohnte im deutschsprachigen Ausland und flog zu den Besprechungen jeweils nach Berlin. Auffällig war, dass er eine Billigfluglinie nutzte, obwohl er vermögend war. Er strahlte aber eine sonderbare Härte aus, wie sie bei fanatischen, ideologisch verbrämten Menschen anzutreffen ist.

Sein Vermögen war nicht ererbt, sondern verdient als Investmentbanker und machte einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag aus. Es war angelegt in Wertpapieren, Beteiligungen und Goldbarren. Direkt Immobilien oder persönliche Bankguthaben gab es offenbar nicht. Schulden hatte er keine.
Der Mandant war mehrmals verheiratet und hatte mindestens sieben Kinder. Sein Verhältnis zu Frauen schien von der Ideologie Arthur Schopenhauers geprägt.

Insgesamt kam der Mandant zu drei Beratungsgesprächen und schien beratungsresistent. Er war der Ansicht, dass die beste Vermögensverwaltung diejenige sei, bei der zum Todeszeitpunkt kein Vermögen mehr vorhanden sei, dass jede Art der Erbschaft für den Erben letztlich schädlich sei, da sie zum Müssiggang verleite und Frauen überdies nicht dazu fähig seien, ein Vermögen zusammenzuhalten.

An jeder vorgeschlagenen Gestaltungvariante hatte er etwas auszusetzen:

Eine Enterbung gefiel ihm nicht wegen des verbleibenden, zwangsläufigen Pflichtteils …
Schenkungen und Vermächtnisse – selbst unter Auflagen – kamen für ihn nicht in Frage, weil sie einer charakterschädigenden Erbschaft gleichzusetzen waren.
Die Möglichkeit einer Regulierung über Testamentsvollstreckung, Familienpool oder Stiftung lehnte er als zu unsicher und wenig verlässlich – da zu menschlich – ab.

Das Mandat erschien wie die Quadratur des Kreises bis zum dritten Beratungsgespräch, das der Mandant mit dem Satz eröffnete, dass sein eigentliches Ziel die Atomisierung seines gesamten Vermögens exakt zum Zeitpunkt seines Todes sei. Bis dahin wolle er aber die alleinige, uneingeschränkte Verfügungsgewalt darüber behalten.

Nach der klaren Vorgabe kam man dann schnell zu der ebenso ungewöhnlichen wie optimalen Lösung:

Der Mandant beabsichtigte nunmehr, sein gesamtes Vermögen umzuschichten und von den Verkaufserlösen ausschliesslich Diamanten zu erwerben. Der Ankauf von weiteren Goldbarren wurde verworfen wegen des Gewichts, Volumens, der Bankregistrierung und Auffindbarkeit mittels Metalldetektoren. Sollte der Mandant in eine Notsituation geraten, konnte er zudem schnell und ohne grosse Wertverluste einen Teil der Diamanten wieder in Geld rückführen.

Um die Verwahrung der Diamanten wollte er sich selbst kümmern. Jedenfalls kam ein Safe, Bankschliessfach oder Security-House für ihn nicht in Frage. Vermutlich beabsichtigte er, die Diamanten an einem Ort zu vergraben, den nur er kannte, und wo sie mit seinem Ableben endgültig vergraben blieben.

Dem vorstehende Beitrag liegt ein wahrer Fall aus der Beratungspraxis zugrunde. Zur Wahrung der Anonymität wurde an einigen Stellen der Sachverhalt abgeändert.

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