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Erbschein beantragen: Fristen, Kosten & Ablauf (Wichtige Infos)

Für den Antrag auf einen Erbschein gibt es in Deutschland grundsätzlich keine gesetzliche Frist; er kann auch Jahre nach dem Erbfall gestellt werden, wenn ein Nachweis der Erbenstellung benötigt wird. Erklärt werden Zuständigkeit, Antragstellung, erforderliche Unterlagen, Kosten und Verfahrensdauer. Auch andere Erbrechtsfristen, Erbengemeinschaften, Auslandsfälle sowie Verzögerungen und Ablehnungen werden eingeordnet.

Erbschein beantragen: Frist prüfen
Dieser Workflow hilft Ihnen, die nächsten Schritte nach einem Erbfall zu ordnen und wichtige Fristen nicht mit der Erbscheinsfrist zu verwechseln.

Schritt 1 von 6

1. Gibt es eine Frist für den Erbschein?

Für den Antrag auf Erteilung eines Erbscheins gibt es grundsätzlich keine gesetzliche Antragsfrist. Der Antrag ist auch Jahre nach dem Erbfall möglich.

2. Wird ein Erbnachweis benötigt?

Prüfen Sie zuerst, ob die zuständige Stelle einen Erbschein verlangt oder ein anderer Nachweis genügt.

3. Wo soll der Antrag gestellt werden?

Zuständig ist grundsätzlich das Nachlassgericht am letzten gewöhnlichen Aufenthalt der verstorbenen Person.

4. Welche anderen Fristen müssen Sie prüfen?

Diese Fristen laufen unabhängig davon, ob ein Erbschein beantragt wurde.

Besonders wichtig: Die Ausschlagungsfrist beträgt grundsätzlich sechs Wochen, bei bestimmten Auslandsfällen sechs Monate. Lassen Sie diese Frist bei Unsicherheit sofort fachlich prüfen.

5. Welche Unterlagen sind vorhanden?

Sammeln Sie möglichst Originale oder beglaubigte Kopien. Welche Dokumente erforderlich sind, hängt von der Erbfolge ab.

6. Ergebnis zusammenstellen

Erstellen Sie jetzt eine persönliche Orientierung für die nächsten Schritte. Die Entscheidung über die Erteilung trifft ausschließlich das Nachlassgericht.

Vor dem Termin kann das Gericht eine Vorprüfung der Angaben und Unterlagen verlangen. Eine vollständige Vorbereitung kann Verzögerungen vermeiden, garantiert aber keine bestimmte Bearbeitungsdauer.

Hinweis: Diese Anwendung dient nur der ersten Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung, notarielle Beratung oder verbindliche Auskunft des zuständigen Nachlassgerichts. Fristen können vom Einzelfall und vom Zeitpunkt Ihrer Kenntnis abhängen.

Erbschein beantragen: Gibt es eine Frist?

Für die Beantragung eines Erbscheins gibt es keine gesetzliche Frist. Sie können den Antrag unmittelbar nach dem Erbfall, aber auch erst Jahre später stellen. Eine Frist für den Erbschein beginnt also nicht mit dem Todestag und läuft nicht automatisch ab. Die häufig gesuchte Antwort auf „Erbe beantragen: Frist“ lautet daher: Für den Erbscheinsantrag gibt es keine feste Frist.

Der Erbschein wird jedoch häufig benötigt, um die Erbenstellung gegenüber Banken, Versicherungen, Schuldnern oder dem Grundbuchamt nachzuweisen. Wer mit der Nachlassabwicklung warten muss, weil ein formeller Erbnachweis fehlt, kann deshalb trotz fehlender Antragsfrist praktische Nachteile haben.

Das Serviceportal der Justiz stellt klar: Ein Erbschein entsteht nicht automatisch mit dem Erbfall, sondern wird nur auf Antrag erteilt.

Eine gesetzliche Pflicht zur Beantragung besteht ebenfalls nicht. Ob ein Erbschein sinnvoll oder erforderlich ist, hängt davon ab, welche Nachweise bereits vorliegen und welche Stellen die Erbfolge akzeptieren.

Wichtig: Die fehlende Frist für den Erbschein ändert nichts an anderen Fristen im Erbrecht. Besonders die Ausschlagung einer möglicherweise überschuldeten Erbschaft kann nicht aufgeschoben werden, nur weil ein Erbschein noch nicht beantragt wurde.

Wann ist ein Erbschein überhaupt erforderlich?

Ein Erbschein dient als amtlicher Nachweis dafür, wer Erbe geworden ist und in welcher Quote. Er kann eine Alleinerbschaft, mehrere Miterben oder Beschränkungen des Erbrechts ausweisen, etwa Vor- und Nacherbschaft.

Zwingend ist ein Erbschein nicht in jedem Nachlassfall. Häufig genügt ein anderer eindeutiger Nachweis der Erbfolge.

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Nachweise ohne Erbschein

Ein anderer Nachweis kann insbesondere genügen bei:

  • einem notariellen Testament, wenn die Erben darin namentlich benannt sind und zusätzlich die Eröffnungsniederschrift des Nachlassgerichts vorliegt;
  • einem Erbvertrag, wenn die Erben darin namentlich benannt sind und zusätzlich die Eröffnungsniederschrift des Nachlassgerichts vorliegt;
  • einem eigenhändigen Testament, sofern sich die Erbfolge daraus eindeutig ergibt.

Auch ein eigenhändiges Testament kann die Erbfolge belegen. In der Praxis reicht es aber nicht immer aus, weil erst geklärt werden muss, ob das Testament wirksam ist, ob weitere Verfügungen existieren oder ob sich die Erbquoten zweifelsfrei daraus ergeben.

Wann ein Erbschein besonders häufig benötigt wird

Ein Erbschein wird besonders häufig benötigt, wenn:

  • keine letztwillige Verfügung vorhanden ist und gesetzliche Erbfolge eintritt;
  • ein handschriftliches Testament unklare Formulierungen enthält;
  • mehrere Personen als Erben in Betracht kommen;
  • Immobilien oder Grundstücke zum Nachlass gehören;
  • Anteile an einem im Handelsregister eingetragenen Unternehmen vererbt wurden;
  • eine Bank, Versicherung oder ein Schuldner einen förmlichen Nachweis verlangt.

Banken dürfen nicht allein deshalb einen Erbschein verlangen, weil kein solcher vorgelegt wird. Ein notarielles Testament mit Eröffnungsniederschrift kann grundsätzlich genügen. Bei unklarer oder lückenhafter Erbfolge kann die Bank jedoch einen weitergehenden Nachweis verlangen.

Für einen bloßen Pflichtteilsanspruch ist kein Erbschein erforderlich. Pflichtteilsberechtigte sind nicht Erben, sondern haben grundsätzlich einen Geldanspruch gegen die Erben. Sie müssen ihren Anspruch daher gegenüber den Erben geltend machen, nicht durch einen Antrag beim Nachlassgericht.

Bei Nachlassfällen mit Vermögen in mehreren EU-Staaten kann statt eines deutschen Erbscheins ein Europäisches Nachlasszeugnis in Betracht kommen. Dieses erleichtert den Nachweis der Erbenstellung in anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union, ausgenommen Dänemark.

Welches Nachlassgericht ist zuständig und wie wird der Antrag gestellt?

Zuständig ist grundsätzlich das Nachlassgericht am letzten gewöhnlichen Aufenthalt der verstorbenen Person. Das Nachlassgericht ist eine Abteilung des Amtsgerichts.

Maßgeblich ist nicht zwingend der Ort, an dem sich einzelne Nachlassgegenstände befinden, sondern regelmäßig der letzte gewöhnliche Aufenthaltsort des Erblassers.

Das zuständige Gericht lässt sich über den offiziellen Dienst Nachlassgericht ermitteln bestimmen. Das gilt unabhängig davon, ob Sie einen Erbschein beantragen in Bremen, den Erbschein beantragen in Dortmund oder den Erbschein beantragen in Düsseldorf möchten: Entscheidend bleibt der gewöhnliche Aufenthalt des Erblassers.

Für die Beantragung eines Erbscheins bestehen zwei Wege:

  1. Persönliche Antragstellung beim Nachlassgericht
  2. Beurkundung durch einen deutschen Notar oder eine deutsche Notarin

Antragstellung beim Nachlassgericht

Beim Nachlassgericht wird der Antrag regelmäßig zu Protokoll der Geschäftsstelle aufgenommen. Die antragstellende Person muss grundsätzlich persönlich erscheinen, wenn eine eidesstattliche Versicherung erforderlich ist.

Das Gericht prüft die vorgelegten Originale oder beglaubigten Kopien.

Antragstellung beim Notariat

Beim Notariat werden die Angaben und Unterlagen aufgenommen sowie rechtlich geprüft. Der Antrag wird anschließend an das Nachlassgericht weitergeleitet.

Über die Erteilung entscheidet jedoch immer das Nachlassgericht, nicht das Notariat.

Eidesstattliche Versicherung und Rechtshilfe

Die eidesstattliche Versicherung umfasst regelmäßig die Erklärung, dass die gemachten Angaben richtig sind und keine Tatsachen bekannt sind, die der beantragten Erbfolge entgegenstehen.

Das Nachlassgericht kann auf die Versicherung verzichten, wenn es sie im Einzelfall nicht für erforderlich hält.

Wer nicht am Ort des zuständigen Nachlassgerichts wohnt, kann den Antrag im Wege der Rechtshilfe auch bei dem Nachlassgericht am eigenen Wohnort aufnehmen lassen. Die Unterlagen werden dann an das zuständige Gericht weitergegeben.

Vor einem Termin verlangen viele Gerichte, dass Angaben zum Erbfall und vorhandene Unterlagen vorab eingereicht werden. Teilweise ist diese Vorprüfung Voraussetzung dafür, dass überhaupt ein Termin vergeben wird.

Welche Unterlagen werden für den Erbscheinsantrag benötigt?

Welche Unterlagen für die Beantragung eines Erbscheins erforderlich sind, hängt davon ab, warum die antragstellende Person Erbe geworden sein soll. Entscheidend ist also, ob gesetzliche Erbfolge, Testament oder Erbvertrag die Grundlage bilden.

Unterlagen bei gesetzlicher Erbfolge

Bei gesetzlicher Erbfolge werden regelmäßig Nachweise benötigt, die das Verwandtschaftsverhältnis und die familiäre Situation belegen. Dazu können gehören:

  • Sterbeurkunde oder Angaben zum Todeszeitpunkt;
  • Geburtsurkunden;
  • Heiratsurkunde oder Familienstammbuch;
  • Nachweise über Abstammung und Verwandtschaft;
  • Angaben zur Staatsangehörigkeit des Erblassers;
  • Angaben zum ehelichen Güterstand;
  • Nachweise über vorverstorbene Angehörige;
  • Angaben zu weiteren möglichen gesetzlichen Erben;
  • Angaben zur eigenen Erbquote;
  • Angaben zu Personen, die den Erbteil ausschließen oder mindern könnten;
  • Angaben zu einem möglichen Rechtsstreit über das Erbrecht.

Zusätzlich ist regelmäßig zu erklären, dass kein Testament, kein Erbvertrag und keine sonstige letztwillige Verfügung bekannt sind. Auch die Annahme der Erbschaft kann für den Antrag von Bedeutung sein.

Unterlagen bei Testament oder Erbvertrag

Bei einer testamentarischen oder erbvertraglichen Erbfolge müssen insbesondere die letztwilligen Verfügungen vorgelegt werden. Dazu zählen:

  • das Testament oder der Erbvertrag;
  • weitere bekannte Verfügungen von Todes wegen;
  • Angaben darüber, ob spätere Testamente oder Erbverträge existieren;
  • Angaben zu Ausschlagungen oder vorverstorbenen ursprünglich eingesetzten Erben;
  • Hinweise auf Streitigkeiten über die Wirksamkeit oder Auslegung der Verfügung.

Ein Testament oder Erbvertrag, auf den der Antrag gestützt wird, muss grundsätzlich im Original vorgelegt werden, sofern das Dokument nicht bereits beim Nachlassgericht abgeliefert wurde.

Ein nach dem Todesfall aufgefundenes Testament ist unverzüglich beim Nachlassgericht abzugeben. Bei einem privatschriftlichen Testament muss vor der Beantragung eines Erbscheins zunächst die Testamentseröffnung erfolgen.

Liegt das Testament dem Gericht noch nicht vor, wird es zusammen mit der Sterbeurkunde eingereicht.

Form der Unterlagen

Öffentliche Urkunden wie Geburts-, Heirats- oder Sterbeurkunden dienen dem Nachweis des Todes und der familiären Beziehungen.

Können bestimmte Urkunden nicht oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand beschafft werden, kommen unter Umständen andere Beweismittel in Betracht.

Zum Termin sollten die Unterlagen im Original oder als beglaubigte Kopie vorliegen. Einfache Kopien reichen nicht zwingend aus.

Welche Fristen im Erbrecht dürfen nicht mit dem Erbschein verwechselt werden?

Die Frist für den Erbschein ist nicht das eigentliche Risiko nach einem Todesfall. Während der Erbscheinsantrag grundsätzlich jederzeit möglich bleibt, können andere Rechte durch Fristablauf verloren gehen oder Kosten entstehen.

Ausschlagung der Erbschaft: sechs Wochen oder sechs Monate

Wer eine Erbschaft nicht annehmen möchte, muss sie grundsätzlich innerhalb von sechs Wochen ausschlagen. Die Frist beginnt mit der Kenntnis vom Anfall der Erbschaft.

Befand sich der Erblasser zuletzt im Ausland oder hält sich der Erbe bei Beginn der Frist im Ausland auf, beträgt die Frist sechs Monate. Die Einzelheiten zur Form und Wirkung der Ausschlagung erläutert Justiz Nordrhein-Westfalen.

Die Ausschlagung muss gegenüber dem Nachlassgericht erklärt werden. Möglich ist die Erklärung zu Protokoll der Geschäftsstelle oder in öffentlich beglaubigter Form über ein Notariat.

Ein einfacher Brief, eine private Erklärung oder eine telegrafische Mitteilung genügen nicht.

Wird die Frist versäumt, gilt die Erbschaft grundsätzlich als angenommen. Auch vor Fristablauf kann eine Annahme durch schlüssiges Verhalten eintreten, etwa wenn Nachlassgegenstände wie ein eigener Vermögensgegenstand in Besitz genommen oder Ansprüche aus dem Nachlass geltend gemacht werden.

Sicherungsmaßnahmen und die bloße Bezahlung von Beerdigungskosten müssen dagegen nicht als Annahme gelten.

Bei Minderjährigen oder beschränkt geschäftsfähigen Personen handeln die gesetzlichen Vertreter. Bei gemeinsamer elterlicher Sorge ist die Erklärung beider Elternteile erforderlich; je nach Fall kann eine gerichtliche Genehmigung notwendig sein.

Anfechtung einer Annahme oder Ausschlagung

Wurde eine Erbschaft angenommen oder ausgeschlagen, kann diese Erklärung unter bestimmten Voraussetzungen angefochten werden. Die Frist beträgt grundsätzlich sechs Wochen ab Kenntnis des Anfechtungsgrundes, bei Auslandsbezug sechs Monate.

Ein möglicher Anfechtungsgrund kann etwa ein Irrtum über die Überschuldung des Nachlasses oder über die Frist und Rechtsfolgen der Ausschlagung sein.

Die Anfechtung muss gegenüber dem Nachlassgericht erklärt werden. Nach mehr als 30 Jahren ist sie ausgeschlossen.

Pflichtteil: dreijährige Verjährung

Der Pflichtteilsanspruch verjährt grundsätzlich in drei Jahren. Die Frist beginnt mit dem Ende des Jahres, in dem die pflichtteilsberechtigte Person vom Todesfall und von ihrer Enterbung oder sonstigen Ausschließung von der Erbfolge erfahren hat.

Der Pflichtteil ist ein Geldanspruch gegen die Erben. Eine bloße Zahlungsaufforderung hemmt die Verjährung nicht. Der Anspruch muss rechtzeitig gegenüber den Erben verfolgt werden.

Unabhängig von der Kenntnis tritt spätestens nach 30 Jahren Verjährung ein.

Grundbuchberichtigung: zwei Jahre gebührenfrei

War der Erblasser im Grundbuch als Eigentümer eingetragen, kann die Berichtigung des Grundbuchs beantragt werden. Der Eigentumsübergang erfolgt mit dem Erbfall außerhalb des Grundbuchs; das Register kann daher unrichtig werden.

Die Grundbuchberichtigung ist innerhalb von zwei Jahren nach dem Todesfall gebührenfrei. Danach bleibt sie möglich, kann jedoch Kosten auslösen. Nähere Angaben zu den Voraussetzungen enthält Justiz Nordrhein-Westfalen zum Grundbuchverfahren.

Antragsberechtigt sind Erben und Miterben, bei angeordneter Testamentsvollstreckung auch der Testamentsvollstrecker.

Als Nachweis genügen je nach Fall die Originalausfertigung des Erbscheins oder ein notarielles Testament beziehungsweise Erbvertrag mit Eröffnungsniederschrift.

Anzeige beim Erbschaftsteuerfinanzamt: drei Monate

Erben und andere Begünstigte müssen ihren Erwerb grundsätzlich binnen drei Monaten beim zuständigen Erbschaftsteuerfinanzamt anzeigen.

Die Frist läuft ab Kenntnis vom Erbfall und vom Grund des Erwerbs, nicht automatisch ab dem Todestag.

Die schriftliche Anzeige betrifft unter anderem:

  • Erwerbe durch Erbschaft;
  • Vermächtnisse;
  • Pflichtteile;
  • Schenkungen auf den Todesfall;
  • Auflagen.

Sie sollte Angaben zum Erblasser, zum Erwerber, zum Verwandtschaftsverhältnis, zum Umfang des Erwerbs und zum Todestag enthalten.

Testamentsanfechtung: ein Jahr

Ein Testament kann unter den jeweiligen gesetzlichen Voraussetzungen innerhalb von einem Jahr angefochten werden. Die Frist beginnt, wenn der Anfechtungsberechtigte Kenntnis vom Testament und vom Anfechtungsgrund hat.

Mögliche Gründe sind etwa Irrtum, Drohung, Gewalt oder das Übergehen eines später hinzugekommenen Pflichtteilsberechtigten.

Die Anfechtung erfolgt gegenüber dem Nachlassgericht. Nach 30 Jahren ist eine Testamentsanfechtung ausgeschlossen.

Nachlassinsolvenz: unverzüglich bei Überschuldung

Stellt sich heraus, dass der Nachlass überschuldet ist, muss ein Antrag auf Nachlassinsolvenz unverzüglich, also ohne schuldhaftes Zögern, gestellt werden. Eine feste Zahl von Tagen oder Wochen gibt es nicht.

Wird der Antrag trotz Kenntnis der Überschuldung verzögert, kann eine persönliche Haftung für Nachlassschulden in Betracht kommen.

Die Nachlassinsolvenz betrifft dagegen das Nachlassvermögen und dient der Abgrenzung zum eigenen Vermögen des Erben.

Welche Dokumente ersetzen den Erbschein bei Immobilien und Bankkonten?

Bei Grundstücken ist der Erbschein ein wichtiger, aber nicht immer der einzige Erbnachweis. Das Grundbuchamt akzeptiert regelmäßig auch ein notarielles Testament oder einen Erbvertrag mit Eröffnungsniederschrift, wenn sich die Erbfolge daraus vollständig und eindeutig ergibt.

Die Unterlagen müssen die gesamte Erbfolge lückenlos abbilden. Bestehen Zweifel, kann das Grundbuchamt dennoch einen Erbschein verlangen.

Das betrifft insbesondere Fälle, in denen eine Ausschlagung die Erbfolge verändert hat oder unklar ist, ob ein ursprünglich berufener Miterbe bereits durch sein Verhalten angenommen hatte.

Eine eidesstattliche Versicherung ersetzt den Erbschein gegenüber dem Grundbuchamt in solchen Fällen nicht. Auch ein bloßer Hinweis auf Akten eines anderen Gerichts genügt nicht zwingend.

Für die Grundbuchberichtigung kann der Erbe oder Miterbe einen schriftlichen Antrag stellen oder den Antrag zu Protokoll der Geschäftsstelle erklären.

Sind Nachlassgericht und Grundbuchamt Abteilungen desselben Gerichts, kann unter Umständen auf die Nachlassakten Bezug genommen werden.

Auch Banken und Versicherungen prüfen, ob ein anderer Nachweis genügt. Ein notarielles Testament mit Eröffnungsniederschrift kann ausreichend sein, wenn die Erben eindeutig feststehen.

Bei mehreren Erben, widersprüchlichen Unterlagen oder ungeklärten Erbquoten wird in der Praxis häufiger ein Erbschein verlangt.

Der Erbschein besitzt öffentlichen Glauben. Dritte dürfen grundsätzlich auf die darin ausgewiesene Erbenstellung vertrauen.

Das macht ihn besonders wichtig, wenn Vermögenswerte übertragen, Konten aufgelöst oder Ansprüche des Erblassers eingezogen werden sollen.

Wie lange dauert das Erbscheinverfahren?

Für die Erteilung eines Erbscheins gibt es keine einheitliche gesetzliche Bearbeitungsfrist. Die Dauer hängt vom zuständigen Nachlassgericht, der Vollständigkeit der Unterlagen und der Komplexität der Erbfolge ab.

Eine einfache Beantragung eines Erbscheins mit vollständigen Unterlagen kann wenige Wochen dauern. In unkomplizierten Fällen sind auch kürzere Bearbeitungszeiten möglich.

Komplexe Nachlassverfahren können dagegen mehrere Monate oder länger in Anspruch nehmen.

Zeitaufwendig wird das Verfahren insbesondere, wenn:

  • Urkunden fehlen oder nachgereicht werden müssen;
  • weitere gesetzliche Erben ermittelt werden;
  • mehrere Testamente geprüft werden müssen;
  • ein Testament unleserlich oder auslegungsbedürftig ist;
  • die Testierfähigkeit des Erblassers bestritten wird;
  • Zeugen vernommen werden müssen;
  • ein fachärztliches Gutachten erforderlich ist;
  • Miterben oder andere Beteiligte Einwände erheben;
  • ein Rechtsstreit über die Erbfolge besteht.

Das Nachlassgericht ermittelt den Sachverhalt von Amts wegen. Es darf sich daher nicht allein auf die Angaben im Antrag verlassen, sondern muss alle entscheidungserheblichen Tatsachen prüfen.

Ablauf nach der Antragstellung

Der Ablauf endet nicht mit der Antragstellung. Zunächst werden Unterlagen und Angaben geprüft. Anschließend klärt das Gericht offene Fragen zur Erbfolge.

Liegen die Voraussetzungen vor, entscheidet das Gericht durch Beschluss und erteilt danach den Erbschein.

Grundsätzlich ist der Rechtspfleger oder die Rechtspflegerin für die Erteilung zuständig. Werden Einwände gegen einen Erbschein aufgrund testamentarischer Erbfolge erhoben, entscheidet der Richter oder die Richterin.

Der Erbschein wird je nach Gericht postalisch versandt oder zur persönlichen Abholung bereitgestellt.

Die vollständige Vorlage der benötigten Unterlagen kann Verzögerungen vermeiden, garantiert aber keine bestimmte Bearbeitungsdauer.

Was tun bei einem unvollständigen, verzögerten oder abgelehnten Antrag?

Ein unvollständiger Antrag führt nicht automatisch zur endgültigen Ablehnung. Das Nachlassgericht muss den entscheidungserheblichen Sachverhalt von Amts wegen aufklären.

Es kann daher weitere Angaben oder Urkunden anfordern und prüfen, ob zusätzliche Personen als Erben oder Beteiligte in Betracht kommen.

Besonders sorgfältig muss das Gericht vorgehen, wenn ein Testament unklare Formulierungen, Streichungen, Initialen oder unleserliche Passagen enthält. Dann muss geklärt werden, wer gemeint ist und welche Bedeutung die Erklärung für die Erbfolge hat.

Rechtliches Gehör für mögliche Erben

Alle Personen, die möglicherweise Erben sein können, müssen rechtliches Gehör erhalten.

Dazu können gehören:

  • gesetzliche Erben;
  • im Testament benannte Personen;
  • Personen, die zunächst eingesetzt und später gestrichen wurden.

Sie müssen Gelegenheit erhalten, eigene Anträge zu stellen oder Einwände gegen den beantragten Erbschein vorzubringen.

Erhebt ein möglicher Erbe rechtliche Einwände, kann der Rechtspfleger die abschließende Entscheidung nicht mehr treffen. Die Sache ist dann dem zuständigen Richter vorzulegen.

Beschwerde gegen die Ablehnung

Eine Ablehnung der Beantragung eines Erbscheins erfolgt durch förmlichen Beschluss. Gegen diesen Beschluss ist grundsätzlich eine Beschwerde innerhalb eines Monats möglich.

Die Frist beginnt regelmäßig mit der schriftlichen Bekanntgabe der Entscheidung.

Die Beschwerde wird bei dem Nachlassgericht eingelegt, das den Beschluss erlassen hat. Hilft das Gericht der Beschwerde nicht ab, legt es die Sache dem Beschwerdegericht vor.

Zuständig ist grundsätzlich das Oberlandesgericht; in Berlin entscheidet das Kammergericht.

Das Beschwerdegericht prüft zunächst, ob die Beschwerde zulässig, fristgerecht und formgerecht eingelegt wurde.

Anschließend kann es selbst Unterlagen anfordern, Zeugen befragen und über den Antrag entscheiden. Es kann die Sache aber auch zur erneuten Prüfung an das Nachlassgericht zurückverweisen.

Eine Zurückverweisung kommt vor allem in Betracht, wenn das Nachlassgericht die erforderliche Sachverhaltsaufklärung oder die Anhörung möglicher Beteiligter vollständig unterlassen hat.

Die Beschwerde hat keine automatische aufschiebende Wirkung.

Für ein Verfahren, das lediglich verzögert bearbeitet wird und noch keinen Ablehnungsbeschluss enthält, besteht nach den genannten Regeln keine eigene feste Beschwerdefrist. Die Monatsfrist betrifft den förmlichen Ablehnungsbeschluss.

Was gilt bei mehreren Erben und einer Erbengemeinschaft?

Gibt es mehrere Erben, entsteht eine Erbengemeinschaft. Der Nachlass gehört den Miterben gemeinschaftlich, bis die Erbengemeinschaft auseinandergesetzt wird.

Für die Nachlassabwicklung ist deshalb entscheidend, welche Art von Erbschein beantragt wird.

Arten von Erbscheinen bei mehreren Erben

Art des ErbscheinsInhalt und Zweck
Gemeinschaftlicher ErbscheinWeist alle Miterben und ihre jeweiligen Erbquoten aus. Er ist passend, wenn die Erbteile feststehen und die Erben die Erbschaft angenommen haben.
TeilerbscheinWeist nur den eigenen Erbteil einer Person aus. Er dient dazu, Auskünfte einzuholen; für gemeinschaftliche Verfügungen über den Nachlass reicht er nicht aus.
AlleinerbscheinIst nur richtig, wenn tatsächlich eine Person alleinige Erbin oder alleiniger Erbe geworden ist.

Mit dem gemeinschaftlichen Erbschein kann die Erbengemeinschaft gemeinsam handeln.

Ein gemeinschaftlicher Erbschein muss nicht von allen Miterben beantragt werden. Auch ein einzelner Miterbe kann den Antrag stellen, wenn alle Erben und deren Anteile im Antrag angegeben werden.

Ein Alleinerbschein darf nicht beantragt werden, wenn weitere Miterben vorhanden sind oder ernsthaft in Betracht kommen.

In einer Erbengemeinschaft entstehen Verzögerungen häufig durch unterschiedliche Auffassungen über die Erbquote, die Gültigkeit eines Testaments oder die Frage, ob jemand wirksam ausgeschlagen hat.

Solche Einwände können das Verfahren verlängern und eine gerichtliche Prüfung durch den Nachlassrichter erforderlich machen.

Wie hoch sind die Kosten für Gericht und Notar?

Die Gebühren für den Erbschein richten sich nach dem Wert des reinen Nachlasses. Dafür werden von den vorhandenen Nachlasswerten die berücksichtigungsfähigen Nachlassverbindlichkeiten abgezogen.

Besteht beispielsweise ein Barvermögen von 200.000 Euro und bestehen Kreditverbindlichkeiten von 100.000 Euro, beträgt der für die Gebühren relevante reine Nachlass 100.000 Euro.

Bei direkter Antragstellung beim Nachlassgericht können sich folgende Gesamtkosten ergeben:

Reiner NachlasswertGesamtkosten
10.000 Euro150 Euro
50.000 Euro330 Euro
110.000 Euro546 Euro
200.000 Euro870 Euro
500.000 Euro1.870 Euro
1.000.000 Euro3.470 Euro

Bei einem Nachlasswert von 110.000 Euro setzt sich der Betrag regelmäßig aus der Gebühr für die Erteilung des Erbscheins und einer weiteren Gebühr für die eidesstattliche Versicherung zusammen.

Rechtsgrundlage für die Gebühren ist das Gerichts- und Notarkostengesetz. Zusätzliche Kosten können entstehen, wenn das Gericht beispielsweise Zeugen vernimmt oder Tatsachen durch eine Augenscheinseinnahme prüft.

Bei einem Erbschein, der lediglich den Anteil eines Miterben betrifft, wird nicht der gesamte Nachlasswert angesetzt, sondern der Wert dieses Miterbenanteils.

Wer den Antrag über ein Notariat stellt, zahlt zusätzlich Notarkosten. Diese richten sich ebenfalls nach dem Wert der Erbschaft.

Da auf notarielle Gebühren Umsatzsteuer anfällt, ist dieser Weg regelmäßig teurer als die direkte Antragstellung beim Nachlassgericht.

Wie wird der Erbschein bei Auslandsbezug beantragt?

Ein Auslandsbezug liegt etwa vor, wenn Erben im Ausland wohnen, der Erblasser eine weitere Staatsangehörigkeit hatte, ausländische Urkunden vorliegen oder Nachlassvermögen in mehreren Staaten vorhanden ist.

Für die Zuständigkeit eines deutschen Nachlassgerichts ist grundsätzlich der letzte gewöhnliche Aufenthalt des Erblassers entscheidend.

Hatte die verstorbene Person ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland und ist sie nach dem 17. August 2015 verstorben, ist regelmäßig ein deutsches Nachlassgericht zuständig. Die Staatsangehörigkeit ist dafür nicht ausschlaggebend.

Ausländische Urkunden und Antragstellung

Ausländische Urkunden müssen in der Regel mit Apostille oder Legalisation sowie einer beglaubigten Übersetzung vorgelegt werden.

Mehrsprachige internationale Personenstandsurkunden können eine Ausnahme sein; sie müssen grundsätzlich nicht apostilliert werden.

Lebt ein Erbe im Ausland, kann der Antrag beim zuständigen deutschen Nachlassgericht gestellt oder über ein deutsches Notariat vorbereitet werden.

Auch eine deutsche Auslandsvertretung, also eine Botschaft oder ein Generalkonsulat, kann die Beurkundung des Antrags und der eidesstattlichen Versicherung ermöglichen.

Die eidesstattliche Versicherung muss grundsätzlich persönlich durch einen Erben oder dessen gesetzliche Vertretung abgegeben werden. Eine bevollmächtigte Person kann diese Erklärung nicht einfach ersetzen.

Bei mehreren Erben genügt regelmäßig die Erklärung eines Mitglieds der Erbengemeinschaft.

Die deutsche Auslandsvertretung entscheidet nicht über die Erteilung des Erbscheins. Sie kann den Antrag beurkunden; die Entscheidung bleibt beim deutschen Nachlassgericht.

Angaben zu konsularischen Beurkundungen finden sich beim Auswärtigen Amt.

Europäisches Nachlasszeugnis

Befindet sich Vermögen in einem anderen EU-Mitgliedstaat, kann ein Europäisches Nachlasszeugnis zweckmäßig sein.

Es ist für Erbfälle ab dem 17. August 2015 möglich und gilt in den EU-Mitgliedstaaten mit Ausnahme Dänemarks.

Das Europäische Nachlasszeugnis kann beim Nachlassgericht oder bei einem deutschen Notar beantragt werden. Eine beglaubigte Kopie ist grundsätzlich sechs Monate ab Ausstellung gültig.

Das Zeugnis selbst wird nach Ablauf dieser Zeit nicht unwirksam; nur die ausgehändigte Kopie verliert ihre Legitimationswirkung.

Weitere Informationen sowie das Formblatt IV für den Antrag enthält European e-Justice zur Rechtsnachfolge.

Ein deutscher Erbschein ist im Ausland nicht automatisch ausreichend. Vor der Verwendung sollte daher geklärt werden, ob die ausländische Bank, Behörde oder das Grundbuchamt einen deutschen Erbschein akzeptiert oder ein Europäisches Nachlasszeugnis verlangt.

Welche Risiken bestehen bei falschen Angaben oder einem fehlerhaften Erbschein?

Der Erbschein begründet die widerlegbare Vermutung, dass die darin benannte Person Erbe geworden ist und über die ausgewiesene Erbquote verfügt. Dritte dürfen grundsätzlich auf seine Richtigkeit vertrauen.

Dieser öffentliche Glaube schützt etwa Banken, Käufer oder Schuldner, die im Vertrauen auf den Erbschein handeln.

Das kann selbst dann gelten, wenn später ein weiteres Testament auftaucht und sich herausstellt, dass die im Erbschein genannte Person tatsächlich nicht oder nicht allein Erbe war.

Deshalb müssen die Angaben im Antrag vollständig und sorgfältig sein. Besonders bedeutsam sind Informationen über:

  • weitere mögliche gesetzliche Erben;
  • bekannte Testamente und Erbverträge;
  • Ausschlagungen;
  • vorverstorbene eingesetzte Erben;
  • mögliche Rechtsstreitigkeiten über die Erbfolge;
  • Tatsachen, die den eigenen Erbteil mindern oder ausschließen könnten.

Ein unrichtiger Erbschein bleibt nicht dauerhaft bestehen. Das Nachlassgericht kann ihn einziehen oder für kraftlos erklären lassen.

Die Einzelheiten zum Ablauf des Erbscheinverfahrens beschreibt Justiz Nordrhein-Westfalen zum Erbscheinverfahren.

Wer bewusst unrichtige Angaben macht oder Tatsachen verschweigt, riskiert nicht nur die Korrektur des Erbscheins. Besonders schwer wiegt eine falsche eidesstattliche Versicherung, weil sie gerade die Richtigkeit der entscheidenden Angaben absichern soll.

Häufige Fragen zur Frist beim Erbschein beantragen

Gibt es eine gesetzliche Frist für den Antrag auf einen Erbschein?

Nein, für den Antrag auf einen Erbschein gibt es keine gesetzliche Frist. Der Antrag kann unmittelbar nach dem Erbfall oder auch erst Jahre später gestellt werden, wobei ein fehlender Erbnachweis die Nachlassabwicklung praktisch verzögern kann.

Welche Frist gilt für die Ausschlagung, wenn der Erbschein noch nicht beantragt wurde?

Die Ausschlagung muss grundsätzlich innerhalb von sechs Wochen erklärt werden, auch wenn noch kein Erbschein beantragt wurde. Befand sich der Erblasser zuletzt im Ausland oder hält sich der Erbe bei Beginn der Frist im Ausland auf, beträgt die Frist sechs Monate.

Bis wann kann die Grundbuchberichtigung nach dem Erbfall gebührenfrei beantragt werden?

Die Grundbuchberichtigung ist innerhalb von zwei Jahren nach dem Todesfall gebührenfrei möglich. Danach bleibt sie möglich, kann jedoch Kosten auslösen.

Wie lange läuft die Frist für die Anzeige beim Erbschaftsteuerfinanzamt?

Der Erwerb muss grundsätzlich binnen drei Monaten beim zuständigen Erbschaftsteuerfinanzamt angezeigt werden. Die Frist beginnt mit der Kenntnis vom Erbfall und vom Grund des Erwerbs, nicht automatisch mit dem Todestag.

Welche Frist gilt für eine Beschwerde gegen die Ablehnung eines Erbscheins?

Gegen den förmlichen Ablehnungsbeschluss ist grundsätzlich innerhalb eines Monats eine Beschwerde möglich. Die Frist beginnt regelmäßig mit der schriftlichen Bekanntgabe der Entscheidung; bei einer bloßen Verzögerung ohne Ablehnungsbeschluss gilt diese Monatsfrist nicht.